Malvina Magi

Studien/Ausbildung

13e LTPS
Ambulancière

Beruf

Agente professionnelle des services de secours

Centre d’Intervention Düdelingen

Alter

22 Jahre

Kinder

/

MOTIVATION UND ANSICHTEN

 

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Beruf zu ergreifen,i n dem die Frauen noch unterrepräsentiert sind?
Was hat Sie speziell an diesem Beruf interessiert?

Mein Interesse am Rettungswesen basiert auf einem konkreten Vorfall: Meine Schwester litt einmal an einer Lebensmittelvergiftung und brauchte dringend Hilfe. Zuhause hatten wir alle keine Ahnung was zu tun sei und wir waren auf die Hilfe der Rettungssanitäter angewiesen. Um künftig schneller und besser reagieren zu können, nahm ich daraufhin an einem 1.Hilfe-Kurs im Lycée Hubert Clement teil und engagierte mich dort in einem „Groupe infirmerie“ in dessen Rahmen sich ausgebildete Schüler schulintern als 1.Helfer betätigen. Ab 16 wurde ich als freiwillige Helferin Mitglied bei der Protection Civile und begann dann eine Berufsausbildung zur Krankenpflegerin. Noch während meiner Schulzeit wurden Stellen für professionelle Rettungssanitäterinnen ausgeschrieben und weil diese Arbeit meine Leidenschaft war, brach ich die Krankenpflegerausbildung ab, um mich dieser Herausforderung zu stellen. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Es ist mir wichtig, Menschen in Not helfen zu können und als Vertrauensperson für sie da zu sein.

 

Als Sie sich für diesen Beruf entschieden haben, gab es da Aspekte die Sie zögern ließen?

Was mich verunsicherte war, dass es keine festgelegte Berufslaufbahn gab, als wir als erste professionelle Rettungssanitäter in den Rettungszentren zu arbeiten begannen. Es war fraglich wie sicher die Arbeitsstelle sei und wie die Gehaltsentwicklung verlaufen würde. Auch wurde anfangs angegeben, wir würden einen dreimonatigen Ausbildungskurs absolvieren – der hat in dieser Form bis heute nicht stattgefunden.

 

 

Entspricht der Beruf Ihren Vorstellungen?

Ja.

 

Wie stehen Ihre Familie und Ihre Freunde zu Ihrer Berufswahl?

Zu Beginn war meine Familie skeptisch, dass ich die Schule abbrach um in einen Beruf zu einzusteigen, welcher noch nicht klar definiert war und daher so unsicher schien. Heute wissen sie aber, dass ich von meinem Beruf überzeugt bin und mich wohl fühle und das Unsicherheitsgefühl ist nicht mehr so stark. Mein Umfeld unterstützt mich und versteht meine Berufswahl.

 

BERUFLICHE ASPEKTE


Beschreiben Sie kurz Ihren Berufsalltag

Dieser Beruf ist jeden Tag anders. Wir haben Einsätze mit dem Krankenwagen, wo wir als Sanitäter fahren und andere Einsätze bei Bränden, wo wir als Feuerwehr unterwegs sind. Oft gehen auch beide Aspekte Hand in Hand. Es gibt von allem: Brände, Verkehrsunfälle, Rettungseinsätze, Krankentransporte,… An manchen Tagen haben wir keine Einsätze. Ansonsten ist es jeweils eine neue Herausforderung wenn wir zu einem Einsatz raus müssen. Man weiß nie was einen erwartet, auf was man sich wird einstellen müssen, welche Hilfe benötigt wird, wie die Leute reagieren und wie man mit ihnen umgehen kann, ob Zuschauer vor Ort sein werden, wie lange es dauern wird… Die Abwechslung ist zugleich das Spannende und das Anstrengende an diesem Beruf.

 

Welche Eigenschaften muss man besitzen, um diesen Beruf auszuüben?

Man muss auf jeden Fall trennen können: Man muss mitfühlen können und dennoch eigene Gefühle davon trennen. Man muss auch zwischen Beruf und Familie trennen, man kann die Belastungen nicht mit nach Hause nehmen oder auf sein Umfeld übertragen. Da muss man schon manchmal stark sein, aber wir können uns auch beim „Groupe de support psychologique“ Unterstützung suchen. Es braucht einen starken Willen und Motivation zum Helfen. Teamarbeit ist selbstverständlich wenn wir quasi immer mindestens zu zwei, oder auch zu sechs/
sieben zusammenarbeiten. Dieser Beruf braucht Eigeninitiative, man kann nicht einfach nur abwarten. Man muss sich selber und seine Fähigkeiten kennen. Auch muss man Gefahren erkennen und einschätzen können und rechtzeitig „Stop“ sagen. Und man muss Freude und Spaß an der Arbeit haben: Es ist ein Beruf, aber man muss es wirklich gerne machen.

 

Falls es Probleme gibt, wie lösen Sie diese?

Bei uns ist man nie alleine. Der Zenterchef ist der Hauptverantwortliche. Er und alle andern in unserer Verwaltung sind immer unsere Ansprechpartner und gemeinsam finden sich auch immer Lösungen. Natürlich gibt es auch viele Gespräche im Team, auch in den wechselnden Teams mit den Freiwilligen. Das Personal der Rettungswagen ist immer hilfsbereit, das gehört dazu, und fachlich wird sich auch gegenseitig unterstützt und ergänzt. Probleme kann man im Dialog lösen. Zudem ist es wichtig, dass man seine Grenzen kennt und respektiert. Am Ende ist es dann trotz aller Schwierigkeiten einfach eine große Genugtuung zu wissen, dass man ein Leben retten konnte.

 

PERSÖNLICHE WERTEINSCHÄTZUNG

 

Glauben Sie, dass Frauen in diesem Beruf benachteiligt sind?

 

Nein, gar nicht. Ich finde Frauen haben sogar einen „Pluspunkt“: Sie haben so eine gewisse Mütterlichkeit, die es ihnen oft erleichtert Vertrauen zu schaffen und auf Menschen in Not einzugehen. Männer können das auch, haben aber einen anderen Ansatz, sind oft trockener. Ich glaube den Frauen kommt das z.B. im Umgang mit Kindern oder im medizinischen Bereich bei gynäkologischen Fragen natürlich sehr zugute. Im Bereich der Feuerwehr, sind die Frauen schon benachteiligt. In den zugehörigen Ausbildungskursen brauchen sie auch recht viel körperliche Kraft. Das kann zusätzlich an die Substanz gehen.

 

Warum gibt es, Ihrer Meinung nach, so wenig Frauen, die diesen Beruf wählen?

 

Ich denke, dass viele Frauen Angst vor den Gefahren haben. Ich finde das auch verständlich. Bei Löscheinsätzen ins Feuer zu gehen ist immer auch riskant und bestimmt stellt sich da das Sicherheitsdenken einer Mutter in den Weg. Außerdem kann man vielleicht, wenn man Familie hat, nicht so gut trennen und braucht Zeit für Familie und Kinder, die der Beruf auch durch Schichteinteilungen nicht immer hergibt. Die körperliche Kraft sollte eigentlich kein Hinderungsgrund sein, denn Frauen sind nicht wirklich benachteiligt. Wir können das auch alles schaffen und unter Kollegen wird man auch immer unterstützt und kann Hilfe erwarten. Das gehört zum Beruf.

 

Welche Änderungen müssten vorgenommen werden, damit mehr Frauen sich für diesen Beruf entscheiden?

Ich finde in der Schulzeit müsste der Beruf viel mehr gezeigt und erklärt werden. Im klassischen Lyzeum erfährt man viel zu wenig über das Berufsleben und man kann sich letztlich nur das vorstellen was man kennt, was man erlebt hat. Dabei kann man das Rettungswesen schon in einem 1.Hilfe-Kurs ein bisschen praktisch erfahrbar machen, als Anfang. Manchmal haben wir Schulklassen die unser Center besichtigen kommen und sich alles zeigen und erklären lassen. Ich habe auch beim Weltfrauentag bei der öffentlichen Vorstellung von Frauen im Rettungswesen teilgenommen. Allgemein fehlt es an Informationen nach außen über unseren Beruf und dessen Möglichkeiten.

 

Was würden Sie den jungen Mädchen mit auf den Weg geben, die sich gerade beruflich orientieren?

Ich würde jeder jungen Frau raten, sich selbst zu fragen, welche Richtung sie beruflich wirklich einschlagen möchte. Wer bereit ist, mit vielen verschiedenen Leuten zusammenzuarbeiten, Menschen die in Not sind verlässlich zu helfen, seinen beruflichen Tagesablauf quasi gar nicht vorhersehen zu können und wer Einblicke in viele verschiedene Kulturen, Lebensstile, Einstellungen und Sozialmilieus erhalten will, ist bei uns richtig!

 

 

 

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