Sarah Kandel

Studien/Ausbildung

Umweltfacharbeiterin

Lycée Technique Agricole

Beruf

Umweltfacharbeiterin

Forstverwaltung; Triage Bettendorf/Echternach

Alter

22 Jahre

Kinder

/

MOTIVATION UND ANSICHTEN

 

Wie sind Sie auf die Idee gekommen einen Beruf zu ergreifen, in dem die Frauen noch unterrepräsentiert sind?
Was hat Sie speziell an diesem Beruf interessiert?

Ich wollte immer Floristin werden, muss ich gestehen. Die einzige Schule die dafür in Frage kam war die Ackerbauschule in Ettelbrück. In den Sommerferien 2007 machte ich mich also auf den Weg um mich  in eine Klasse einschreiben zu lassen. Die Frau aus dem Sekretariat machte mir ziemlich schnell klar, dass die Floristen-Klassen überlaufen sind und es nicht einmal eine Chance gäbe selbst wenn man auf der Warteliste stehen würde. Naiv wie ich damals war, fragte ich welche Alternative ich hätte. Sie hat mir die Umweltsektion angeboten, und mir erklärt, dass ich mit der Motorsäge arbeiten müsste. Spontan habe ich mich also für diese Ausbildung entschieden, ohne zu wissen was auf mich zukommt. Was mich damals speziell an diesem Beruf interessiert hat? Wahrscheinlich nichts, ich wollte einfach nur eine Ausbildung und nicht tatenlos zuhause herumsitzen und nichts tun.

 

 

Als Sie sich für diesen Beruf entschieden haben, gab es da Aspekte, die Sie zögern ließen?

Nein, es gab keine Aspekte die mich zögern ließen. Etwas was man nicht kennt, davor braucht man auch keine Angst zu haben.

 

Entspricht Ihr Beruf Ihren Vorstellungen?

Nein, mehr als das. Ich hätte nicht gedacht dass Arbeit so viel Spaß machen könnte. Bei meiner Arbeit denken sich die meisten Menschen wohl, das schafft sie körperlich nicht. Mein Beruf besteht nicht nur darin in die Holzernte zu gehen. Ich arbeite ganz viel im naturpädagogischen Bereich, sprich Aktivitäten organisieren und planen für Groß und Klein. Das Material für die Aktivitäten muss auch vorbereitet werden, zum Beispiel wenn ich Vogelhäuser mit den Kindern bauen möchte, dann fahre ich in unser Holzlager, nehme die Bretter mit die ich brauche und schneide mir in unserer Werkstatt alles auf Maß. Das Ganze in zwei unterschiedlichen Revieren mit jeweils anderen Arbeitskollegen und Chefs, also an Abwechslung mangelt es mir nicht. Das ist auch bestimmt einer der Gründe, warum mir mein Beruf so viel Spaß macht, es gibt jeden Tag neue Herausforderungen.

 

Wie stehen Ihre Familie und Ihre Freunde zu Ihrer Berufswahl?

Ich glaube meine Familie war am Anfang (in der Ausbildungszeit) skeptisch und nicht ganz davon überzeugt, aber mittlerweile denke ich, dass sie ganz stolz auf mich sind. Meine Freunde haben nie in Frage gestellt was ich mache. Der Beruf „opératrice de l’environnement naturel“ ist nicht mehr derselbe wie früher, nicht weil Frauen diese Ausbildung auch machen können. Nein. Einer der Gründe dafür ist, dass, heutzutage hier in Luxemburg nicht mehr im Akkord gearbeitet wird. Mittlerweile gibt es auch viel mehr Öffentlichkeitsarbeit mit dem Ziel den Leuten die Natur näher zu bringen.

 

BERUFLICHE ASPEKTE

 

Beschreiben Sie kurz Ihren Berufsalltag.

Ich habe regelmässig  4 Gruppen in der Woche mit denen ich eine 1 – 2 Stunden Aktivität habe, manchmal auch länger. Für diese Aktivitäten muss das Material besorgt werden. Neue Aktionen planen und umsetzen. Kontakte mit Schulen, Tagesstätten, Gymnasien knüpfen, damit diese Aktivitäten genutzt werden können. Motorsägekurse gebe ich auch, natürlich für Erwachsene. Naturverbundene Kurse anbieten für Erwachsene. Holzeinschlag, den Kutschenführerschein habe ich auch gemacht, um im Sommer mit den Kindern mit der Kutsche zu fahren. Und noch vieles mehr.

 

Welche Eigenschaften muss man besitzen um diesen Beruf ausüben zu können?

Man muss Verantwortung übernehmen können, spontan sein, offen und eigene Ideen mit einbringen. Durchhaltevermögen und Kraft.

 

Falls es Probleme gibt, wie lösen Sie diese?

Falls es Probleme gibt, rede ich mit meinen erfahrenen Arbeitskollegen, die mir mit Rat und Tat zur Seite stehen.

 

PERSÖNLICHE WERTEINSCHÄTZUNG

 

Glauben Sie, dass Frauen in diesem Beruf benachteiligt sind?

Nein, das glaube ich nicht. An die Frauen werden die gleichen Anforderungen gestellt wie an die Männer.

 

 

Warum gibt es, Ihrer Meinung nach, so wenige Frauen, die diesen Beruf wählen?

Meiner Meinung nach, liegt es daran, dass die Frauen sich das nicht zutrauen mit einer Motorsäge zu arbeiten und glauben es von der körperlichen Anstrengung her nicht zu schaffen.

 

Welche Änderungen müssten in diesem Bereich vorgenommen werden, damit Frauen sich für diesen Beruf entscheiden?

Es müsste explizitere Erklärungen zu dem Bereich Umwelt-Sektion geben. Wo kann ich arbeiten nach meiner Ausbildung? Gibt es nach der Ausbildung noch Weiterbildungsmöglichkeiten? Man müsste Werbung machen, dass dieser Beruf sich auch für Frauen eignet.

In die Ausbildung selbst könnte mehr Waldpädagogisches einfließen.

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